Mainboard Größen: Formfaktoren von ITX bis eATX

Mainboard-Größen: Formfaktoren von mini-ITX, µatx bis eATX

Ihr habt euch für eines der besten Gaming-Mainboards entschieden, fragt euch aber trotzdem immer noch, was die Bezeichnungen ATX, µatx (auch: micro-ATX oder mATX), mini-ITX (ITX) und e-ATX bedeuten?

Gerade für Erstbauer ist es enorm wichtig zu wissen, was der Unterschied zwischen den einzelnen Mainboard-Größen oder auch Formfaktoren ist.

Deswegen zeigen wir euch in diesem Ratgeber die Hauptunterschiede zwischen allen wichtigen Mainboard-Größen damit ihr eine bessere Vorstellung davon bekommt, welcher Mainboard-Formfaktor für euch und euren Build am besten geeignet ist.


Mainboard-Größen: ITX, micro-ATX, ATX und e-ATX im Überblick

Mainboard-Größen werden als Formfaktoren bezeichnet. Das kann verwirrend sein wenn ihr nicht wisst, was sie bedeuten. In diesem Abschnitt werden wir uns jede Mainboard-Größe und den Unterschied zwischen den einzelnen Formfaktoren ansehen.

Für passende Tower könnt ihr einfach in unseren Artikel zu den besten PC-Gehäusen reinschauen.

Die Formfaktoren in der Übersicht

e-ATX Mainboards

Fangen mit dem größten Formfaktor an: e-ATX. Wenn Platz im Gehäuse keine Rolle spielt, aber maximale Leistung, Features und Zuverlässigkeit wichtig sind, ist e-ATX genau das Richtige für euch. Denn hier werden meist auch die hochwertigsten Kondensatoren und MOSFETS (Halbleiter) verbaut.

Das e steht für "Extended", wodurch diese Mainboards der Kategorie "Extended Advanced Technology Extended"  angehören (was für ein Name). Bei den gängigen Maßen von 30,5 x 27cm (teilweise auch bis zu 34x33cm groß) macht das aber direkt Sinn, denn diese Dinger nehmen ordentlich Platz weg im Gehäuse.

Im Allgemeinen werden e-ATX Boards für Hochleistungs-Workstations und -Server, aber auch Highend Gaming-Builds verwendet. Sie sind zwar genauso lang wie ATX-Mainboards, aber rund 2,5-8cm breiter. Dieser zusätzliche Platz wird im Allgemeinen für folgendes verwendet:

  • eine zweite CPU (es gibt jedoch auch welche mit nur einem CPU-Sockel) ​
  • e-ATX Mainboards haben meist acht RAM-Steckplätze ​
  • Platz für bis zu acht PCIe-Steckplätze (manche verwenden einen älteren 64-Bit-PCI-Standard namens PCI-X)

Während ihr auf einem eATX normalerweise dieselben Prozessoren verwenden könnt wie auf einem ATX-Mainboard, könnt ihr eine PCI-Karte nicht immer in einem PCI-X-Steckplatz verwenden, ohne die Systemleistung ernsthaft zu beeinträchtigen.

Die I/O-Blende zwischen ATX und eATX ist identisch. Viele, die sich ein System mit e-ATX-Motherboard bauen, entscheiden sich für ein Big-Tower Gehäuse (damit genügend Platz da ist). Viele Mid-Tower-Gehäuse können jedoch so modifiziert werden, dass eATX-Mainboards reinpassen, obwohl es dann wahrscheinlich eng anliegt und das Kabelmanagement schwierig sein kann.

Achtung bei (älteren) Mainboards mit PCI-X-Steckplätzen

Zwar nicht wirklich verbreitet, aber auf alten Boards noch zugegen. PCIe-Karten funktionieren in einem PCI-X-Steckplatz nicht. Daher genau schauen, welche Steckplätze das Mainboard hat, um die Kompatibilität sicherzustellen. 


ATX Mainboards

Der beliebteste Standard für Gaming-PCs ist ATX, was für "Advanced Technology Extended" steht. Die meisten ATX-Mainboards werden kommen mit bis zu 4 PCI/e-Erweiterungssteckplätzen daher (das variiert von Modell zu Modell - es gibt auch welche mit bis zu 7). Diese werden beispielsweise für Grafikkarten, Soundkarten, NVMe PCIe SSDs und verschiedene Peripheriegeräte benötigt. Zudem bieten die gängigsten Modelle bis zu vier RAM-Steckplätze und werden im Allgemeinen in Midi-Tower-Gehäusen untergebracht.

e-ATX ist am Größten, mini-ITX ist der kompakteste Formfaktor

ATX-Mainboards bieten ausreichend Platz (30,5x24,4cm) für Komponenten sowie Kühlung und zugehörige Gehäuse passen dennoch gut auf (oder unter) den Schreibtisch. Diese Mainboard-Größe kann unter Umständen einschränkend sein, wenn ihr mehr Grafikleistung (für SLI/Crossfire), ausgefallene Kühlsysteme oder mehr Speicher für einen Enthusiasten-Gaming-Build oder eine CAD-Workstation braucht.

Glücklicherweise unterstützen Full-Tower-Gehäuse auch ATX-Formfaktoren, wodurch ihr wesentlich mehr Platz für Dinge wie Pumpen, weitere Lüfter oder Sonstiges hättet.


micro-ATX (µatx, mATX)

Wie man oben in der Grafik schön sehen kann, haben mATX-Mainboards zwar die gleiche Breite wie Standard-ATX-Motherboards, sind jedoch einige Zentimeter kürzer (24,4x24cm). Dieser Längennachteil sorgt dafür, dass ihr bei micro-ATX oft nur 1-2 PCIeX16-Steckplätze bekommt. 

Dadurch eignen sich micro-ATX-Mainboards nicht für Multi-GPU-Setups oder für Anwender, die mehrere PCIe-Steckplätze verwenden möchten. Allerdings bekommt ihr hier sonst auch alles, was ihr bei ATX auch bekommt. Oft sind m-ATX Boards für Gamer die beste Lösung, zumal hier das Verhältnis zwischen Features, Platz und Preis perfekt ist.

Moderne m-ATX Mainboards schränken euch wenig ein und sind oft die beste Wahl


mini-ITX Mainboards

Wenn ihr einen PC braucht der sehr klein und kompakt ist, dann solltet ihr euch das Mini-ITX Format anschauen. Diese Mainboard-Größe wird hauptsächlich für extrem kompakte Systeme verwendet, bei denen der gesamte Computer in einen Schrank oder ein Bücherregal passen muss, oder sehr leicht und tragbar sein muss.

Typische Anwendungen sind Heimkino-PCs (HTPCs) bei denen ein geringer Stromverbrauch weniger Lärm bedeutet, oder LAN-PCs, die sehr einfach zu transportieren sein sollen. Viele neue CPUs verfügen über integrierte Grafikchips, sodass keine hierbei nicht einmal eine dedizierte Grafikkarte erforderlich ist, falls man keine hohe Auflösung oder hohe Bildraten anpeilt.

Zumal der Mini-ITX-Standard nur einen PCI-Erweiterungssteckplatz zulässt, sind CPUs mit integrierter Grafikeinheit hierfür auch eine sehr praktische Lösung. Um den kleineren Formfaktor voll ausnutzen zu können, müsst ihr oft auch etwas anderes als ein Standard-ATX-Netzteil suchen, da diese im Allgemeinen für kleine Mini-ITX-Gehäuse zu groß sind.

Zudem seid ihr bei eurer RAM-Kapazität eingeschränkt, da mini-ITX Mainboards lediglich über zwei Steckplätze verfügen.


Wenig relevante Größen

Es gibt weitere Standards für PC-Mainboards, die noch größer (XL-ATX) und kleiner (Pico-ITX und Nano-ITX) sind, aber diese sind viel seltener als die oben beschriebenen (und auch weniger sinnvoll). 

Für die meisten Anwendungen bieten ATX oder mATX die Leistung und Funktionen, die ihr braucht. Bedeutet: Wenn ihr heutzutage nach einem neuen Mainboard sucht, dann werdet ihr höchstwahrscheinlich auf eine der oben genannten Größen stoßen.


Vor- und Nachteile der Mainboard-Größen

Warum sollte ich etwas anderes als ein Standard-ATX-Mainboard und -Gehäuse wollen? Ist größer nicht besser?

Die Antwort darauf ist, dass es für jeden Mainboard-Formfaktor eine optimale Anwendung für verschiedene Szenarien gibt.

In diesem Abschnitt werden wir die Vor- und Nachteile der einzelnen Formfaktoren erläutern, damit ihr eine bessere Vorstellung davon habt, welcher euren Anforderungen am besten entspricht.

Format

Vorteile

Nachteile

E-ATX

  • Enthusiasten-Übertaktung
  • Meiste PCIe-Steckplätze
  • Höchste RAM-Kapazität
  • Ideal für 4x-GPU-Builds, Server und High-End-Workstations
  • Oft beste Kondensatoren & MOSFETS
  • Extrem teuer
  • Braucht sehr viel Platz und großes Gehäuse

Standard ATX

  • Hervorragendes Übertaktungspotential
  • Leicht zu findende kompatible Komponenten
  • Oft beste Optik
  • Teuer
  • Benötigt genügend Platz

micro-ATX

  • Oft sehr günstig
  • Platzsparend & mobiler
  • Klein genug für "auf den Schreibtisch"-Builds
  • Ordentliches Übertakten
  • Manchmal weniger RAM-Kapazität als ATX
  • Oft weniger PCIe-Slots als ATX
  • Nicht optimal für extremes Übertakten
  • Nicht geeignet für Multi-GPU

mini-ITX

  • Sehr platzsparend & kompakt
  • Optimal für tragbare HT-PCs
  • Nur 2 RAM-Steckplätze
  • Nur 1x PCIe
  • Oft recht teuer
  • Eingeschränkt beim Übertakten
  • Sehr eingeschränkt bei GPU- und Kühlergröße

Wie ihr der obigen Tabelle entnehmen könnt, haben alle Mainboard-Größen Vor- und Nachteile, die für einen bestimmten Bereich relevant sind.

  • So ist Mini-ITX nur für kleine PC-Builds geeignet und nicht die erste Wahl ist, wenn ihr etwas leistungsstärkeres oder vielseitigeres bauen möchtet
  • Micro-ATX ist eindeutig der beste Allrounder, da diese Boards sowohl kleiner als ATX sind, als auch über eine anständige RAM-Kapazität und PCIe-Steckplätze verfügen
  • ATX ist Top für alle, die einen PC bauen wollen, der jedes Szenario bewältigen kann, einschließlich Multitasking- und Mining-Aufgaben.
  • e-ATX ist dann noch das absolute Riesenbaby für extreme Anwendungsfälle (für die meisten von euch nicht relevant)

​Kleiner bedeutet NICHT langsamer

Um mit diesem Mythos aufzuräumen: Kleine mini-ITX Boards sind NICHT langsamer, als ihre größeren Brüder. Zum Teil sind diese sogar schneller in bestimmten Benchmarks. Richtig gute mITX-Boards sind jedoch sehr teuer.


Welche Mainboard-Größe sollte ich wählen?

Wenn ihr euch die Vor- und Nachteile hier drüber angesehen habt, dann wisst ihr wahrscheinlich schon einigermaßen darüber Bescheid, welcher Formfaktor für euch am besten geeignet ist.

Solltet ihr euch jedoch immer noch nicht sicher sein, dann skizzieren wir euch hier häufig verwendete Anwendungsfälle.

1. Ihr wollt einen günstigen Gaming-PC bauen

Wenn ihr wenig Budget habt, dann holt euch am besten ein Micro-ATX-Mainboard. Der Grund dafür ist, dass keine Komponente die Leistung im Spiel so stark beeinflusst wie eure Grafikkarte, der Prozessor und euer RAM-Speicher.

Die allgemeine Faustregel beim Bau eines günstigen Gaming-PCs lautet daher, diesen drei Komponenten so viel Budget wie möglich zuzuweisen. Infolgedessen müsst ihr ein wenig Budget für eure anderen Komponenten opfern (was nicht bedeutet, Komponenten von niedriger Qualität zu kaufen).

Glücklicherweise eignen sich mATX-Mainboards perfekt für preisgünstige Gaming-PCs, da sie immer noch alle Hauptfunktionen von Standard-ATX-Motherboards bieten. Der einzige wirkliche Unterschied besteht darin, dass Standard-ATX meist eine bessere Ästhetik, mehr PCIe-Steckplätze und bessere VRMs zum Übertakten bietet.

2. Ihr wollt einen Highend Gaming-PC bauen

Egal, ob ihr einen Highend Gaming-PC mit mehreren Grafikkarten bauen wollt, eure CPU übertakten und auf die Spitze treiben möchtet, oder ein wirklich ausgefallenes Mainboard als Teil einer schönen Farbabstimmung: Dafür ist der ATX-Formfaktor die erste Wahl.

Während es Standard-ATX-Mainboards gibt, die schon mehr als genügend Features bieten, werden einige von euch in manchen Extremszenarien nur mit einem e-ATX Mainboard glücklich werden. Ein e-ATX macht aber wirklich nur dann Sinn, wenn ihr etwas ganz spezielles mit dem System vorhabt.

3. Ihr wollt einen sehr kleinen PC bauen

Wenn ihr einen PC mit geringerem Platzbedarf bauen möchtet (für einen sehr mobilen Rechner oder minimalistisches Design) ist es am besten, ein kleineres Mini-ITX- oder Micro-ATX-Motherboard zu verwenden.

Und natürlich sind Mini-ITX-Mainboards die beste Wahl, wenn ihr alles so klein wie möglich wollt. Perfekt für LAN-PCs oder für HTPC-Systeme.

​Micro-ATX: Der beste Allrounder

Unabhängig vom Anwendungsfall: Wir empfehlen euch Micro-ATX. Das einzige Szenario, in dem Micro-ATX nicht die erste Wahl wäre, wäre dann, wenn ihr eine große Anzahl von PCIe-Ausgängen wollt (zum Beispiel mehrere GPUs für das Mining). Wenn ihr außerdem stark übertakten möchtet oder einfach nur etwas wollt, das zur Gesamtästhetik des Builds beiträgt, werdet ihr euch wahrscheinlich ATX zuwenden.


Fazit: Wählt die Mainboard-Größe für eure Bedürfnisse

Hoffentlich versteht ihr Mainboard-Größen und Formfaktoren jetzt besser und könnt entscheiden, was ihr genau braucht. Wenn ihr spezielle Mainboard-Empfehlungen sucht, dann lest unbedingt die hier drunter verlinkten Artikel.


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