Modulares Netzteil: Besser als Semi- und Nicht-Modular?

Beim Kauf eines Netzteils ist eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen, von der Leistung bis zur Effizienz. Dennoch wird ein Aspekt häufig übersehen: Die Modularität. Erfahrene Tüftler wissen natürlich, was ein modulares Netzteil ist. Aber die Kenntnis der Vor- und Nachteile der verschiedenen Arten von Netzteilen kann manchmal unklar sein.

In der folgenden Tabelle haben wir euch die wesentlichen Unterschiede zwischen modularen, semi-modularen und nicht-modularen Netzteilen übersichtlich zusammen gefasst. Weiter unten gibt es dann noch ausführlichere Informationen zu den genannten Punkten.

Eigenschaft

Nicht-Modular

Semi Modular

Voll Modular

Wärmeentwicklung

Ohne gutes Kabelmanagement entsteht höhere Temperatur im Gehäuse-Inneren

Richtiges Kabelmanagement bringt euch stabile Temperaturen

Niedrigste Temperaturen möglich wegen optimiertem Kabelmanagement

Airflow

Relativ schwache Airflow-Effizienz

Ordentliche Airflow-Effizienz mit richtigem Kabelmanagement

Wegen voller Kontrolle der Kabel sehr guter Airflow möglich

Platzverbrauch

Kann relativ einfach in die meisten Gehäuse verbaut werden

Leicht mehr Platzverbrauch als nicht-modulares Netzteil

Eventuell größeres Gehäuse notwendig

Einfachheit beim Austausch

Ihr müsst beim Austausch des Netzteils alle Kabel trennen

Erlaubt leichteren Austausch mit weniger zu trennenden Kabeln

Sehr leichter Tausch möglich

Preis

Ideal für Einsteiger-PCs

Perfekt für Mittelklasse-PCs

Oft sehr teuer und nur für Highend-Systeme oder Enthusiasten

Effizienz

Häufig leicht niedrigere Energieeffizienz

Neuwertige modulare Stecker erlauben höhere Effizienz

Hochwertige Konnektoren erlauben auch hier hohe Effizienz

Optik

Zu viele Kabel führen zu unschönem Kabelsalat

Erlaubt besseres Kabelmanagement

Bestes Kabelmanagement und Optik möglich


Was ist ein vollständig modulares Netzteil?

Bei vollständig modularen Netzteilen sind alle Kabel einzeln ansteckbar. Dies ist zunächst der wichtigste Unterschied zu den anderen Varianten.

Wenn euer Budgetrahmen es zulässt, gibt es quasi keine Nachteile für ein vollständig modulares Netzteil. Allerdings fragt ihr euch möglicherweise warum man sich die Mühe machen sollte, alle Kabel einzeln an die jeweiligen Steckerbuchsen des Netzteils anzubringen. Denn für Anfänger kann dieser Schritt definitiv verwirrend sein - insbesondere, wenn ihr euch noch nicht mit allen PC-Netzteil Anschlüssen auskennt.

Obwohl dies ein guter Kritikpunkt sein mag, empfehlen wir euch vollständig modulare Netzteile dennoch dringend.

Ein voll modulares Netzteil erlaubt euch eine vollständige Anpassung eurer Kabelstränge

Die Hauptvorteile eines vollständig modularen Netzteils ähneln denen der semi-modularen Netzteile:

  • Der Luftstrom wird dank einer besseren Flexibilität beim Kabelmanagement und einigen zusätzlichen Buchsen zum Einsetzen der Kabel erheblich erhöht.
  • Ihr habt kein Knäuel in der Mitte eures Gehäuses, da nur die Kabel verwendet werden, die ihr wirklich braucht. Dadurch erleichtert sich das Verlegen der Kabel sowie das Kabelmanagement an sich.
  • Dank der geringeren Anzahl an Kabeln im Gehäuse bildet sich weniger Staub. Das Fehlen von Kabeln und der zusätzliche Platz im Gehäuse bedeuten niedrigere Temperaturen und länger lebende Komponenten.
  • Optisch werdet ihr hiermit am meisten punkten können - dank des aufgeräumten Gehäuses. Außerdem sind sie mit den verschiedenfarbigen Stromkabeln kompatibel und erlauben euch das Aussehen eures Builds maximal anzupassen.

Was sind teil-modulare Netzteile?

Wie ihr vielleicht anhand des Namens bereits vermutet, verfügt das teilmodulare Netzteil über einige, aber nicht alle Kabel, die fest am Chassis angebracht sind. Bei semimodularen Netzteilen sind Hauptkabel wie das 24-polige ATX-Kabel, das 8-polige CPU- und ein PCIe-Kabel an eine Leiterplatte angeschlossen.

Demnach habt ihr hierbei oft nur für eure SATA-Kabel und manchmal ein paar zusätzliche PCIe-Kabel modulare Optionen. Stellt euch ein teilmodulares Netzteil einfach als eine Mischung aus festverkabelten und optionalen Kabelsträngen an. Dabei gibt es verschiedene Arten von semimodularen Netzteilen:

  • 24-Pin Stecker ist vormontiert, während PCIe, 8-Pin-CPU und andere Kabel modular sind
  • die 24-poligen und 8-poligen Kabel sind bereits vorinstalliert, während PCIe- und andere Kabel modular aufgebaut sind
  • 24-Pin und der PCIe-Kabel sind vorinstalliert, während alle anderen modular aufgebaut sind

Die wichtigen Hauptstecker sind bei semi-modularen PSUs oft vorinstalliert und nicht abnehmbar

Teilmodulare Netzteile sind eine großartige Möglichkeit, um beim PC-Bau gutes Geld zu sparen. Außerdem müsst ihr bei semi-modularen Netzteilen für nicht verwendete Kabel keine Kompromisse eingehen, da ihr diese wichtigen vorinstallierten Kabel meistens sowieso anschließt. Es ist zudem erwähnenswert, dass ihr geflochtene Kabel mit einem halbmodularen Netzteil nicht vollständig verwenden könnt. Denkt also daran, wenn ihr spezielle Kabelmodifikationen verwenden wollt. Oft bietet euch dieser Netzteiltyp das beste Preisleistungsverhältnis und ihr bekommt das Beste aus beiden Welten.


Was sind nicht-modulare Netzteile?

Bei nicht modularen Netzteilen sind alle Kabel bereits an das Netzteil angeschlossen. Sie fühlen sich in der Regel weniger hochwertig an, als ihre modularen Gegenstücke, haben farbcodierte Kabel (die normalerweise nicht geflochten sind) und sind heutzutage eher etwas veraltet. Eine Investition in ein solches Produkt ist sinnvoll, wenn die Ästhetik im Inneren eures Gehäuses eine kleine Rolle spielt und euer Budget knapp ist.

Allerdings sehen nicht modulare Netzteile trotz dieses Unterschieds genauso aus und funktionieren auch genau gleich wie andere Netzteile. Durch den einzelnen Kabelstrang wird eine schnellere Produktion ermöglicht, was dementsprechend oft zu einem günstigeren Preis für diesen Typ führt.

Trotzdem werdet ihr hier beim Kabelmanagement enorm eingeschränkt und zudem wird der Akt des Verlegens an sich oft zu einer nervigen Sache.

Sieht nicht nur unschön aus, sondern das Kabelknäuel ist auch nervig beim Bauen

Wenn ihr also ein begrenztes Budget habt oder einen PC in einem Gehäuse ohne Fenster baut, dann ist ein nicht modulares Netzteil absolut akzeptabel. Denn in der Funktionsweise werdet ihr keinen Unterschied merken, bis auf die vielleicht minimal schlechtere Energieeffizienz. Beachtet jedoch, dass die Kabel schneller verstauben und der Luftstrom im Inneren negativ beeinflusst wird, was die Belastung eurer anderen PC-Komponenten erhöhen kann.


Unterschiede der Netzteilarten im Detail

Im Folgenden möchten wir die Punkte aus der obigen Tabelle nochmal etwas genauer erklären damit ihr klar versteht, wo die Unterschiede zwischen den Netzteiltypen genau liegen.

Temperaturen im Gehäuse

Das Thema "Temperaturen im Gehäuse" ist es eng mit dem Thema Luftstrom verbunden. Denn je mehr Kabel in eurem Gehäuse lose verlegt sind, desto weniger Luft kann durch und an eure heißen Komponenten getragen werden. Die rumfliegenden Kabel blockieren quasi den Luftstrom und behindern somit eine optimal Luftzirkulation. Dies kann zu einem Temperaturanstieg führen und letztendlich die Lebensdauer eurer anderen Komponenten verkürzen.

Unterschiede zwischen nicht-modularen und vollständig modularen Netzteilen bezüglich der Wärmeentwicklung im Inneren des PCs sind definitiv vorhanden und teilweise sehr deutlich. Im Vergleich dazu macht ein semi-modulares Gegenstück einen guten Job in Bezug auf die Temperatur, solange die meisten Kabel verwendet und sauber verlegt werden.

Luftstrom

Der Luftstrom wird hauptsächlich durch nicht-modulare Netzteile (negativ) beeinflusst, da sich die Kabel vom Netzteil meist unglücklich bis zu euren anderen Komponenten erstrecken. Wie schon erwähnt unterbrechen lose oder unsauber verlegte Kabel den Luftstrom und ziehen Staub an. Dadurch kann es schneller zu Wärmestau und Überhitzung kommen.

Obwohl ihr auch das Kabelchaos von nicht-modularen Netzteilen bändigen könnt, gibt es fast immer unbenutzte Kabel die irgendwo hingestopft werden müssen. Daraus resultiert dann meistens ein klumpiges Durcheinander.

Sowohl teil-modulare als auch vollständig modulare Netzteile ermöglichen die beste Luftstromeffizienz. Obwohl diese Typen im Vergleich zu nicht modularen Netzteilen teurer sind, lohnt sich das Geld schon alleine wegen diesem Punkt. Denkt daran, dass ein guter Luftstrom und weniger Staub in den meisten Fällen die Lebensdauer eurer Komponenten verlängert.

Verarbeitung

Die Verarbeitungsqualität hängt immer von der Marke sowie den verwendeten Einzelteilen ab, nicht vom Typ des Netzteils. Zuverlässige Hersteller wie zum Beispiel Seasonic, Corsair, EVGA oder Enermax produzieren hochwertige Netzteile, unabhängig von der Art. Bedenkt jedoch, dass nicht-modulare Netzteile insgesamt häufig etwas einfacher gestaltet sind, zumal das Design in den Hintergrund tritt.

Allerdings kann die Verarbeitungsqualität auch bei nicht-modularen Modellen sehr hoch sein, vorausgesetzt ihr kauft ein qualitativ hochwertiges Netzteil und keinen Chinaböller von einem Noname-Hersteller.

Preis

Die Preise variieren je nach Modularität des Netzteils, wobei nicht-modulare Netzteile häufig die günstigere Wahl sind. Nachfolgend seht ihr den Preisunterschied in Abhängigkeit des Typs für ein paar Netzteil-Modelle:

  • Seasonic CORE-GC-650 - 80 Plus Gold, 650W, non-modular: 79,90 €
  • Corsair TX650M - 80 Plus Gold, 650W, teil-modular: 94,90 €
  • Corsair RM650x - 80 Plus Gold, 650W, voll-modular: 124,90

Wir sehen deutlich, dass ein nicht modulares Netzteil die billigste Option ist. Und das liegt keineswegs an der Marke, denn Seasonic ist ein Top-Hersteller. Semi-modulare Netzteile bieten dann die günstigere Alternative zu vollständig modularen Netzteilen, in diesem Beispiel auch recht deutlich mit einem Unterschied von rund 30€. Dennoch sind die Einsparungen jetzt nicht allzu hoch und eure Wahl hängt klar von euren Anforderungen an euer System ab.

Solltet ihr Geld übrig haben, lohnt es sich oft. Denn wenn ihr euch für eine modulare Option entscheidet, bekommt ihr ein bisschen mehr Flexibilität bei eurem aktuellen Build oder zukünftigen Upgrades.

Optik

Unschönes Kabelmanagement - Bild von Reddit-Nutzer Karimura12

Ein großer Nachteil nicht modularer Netzteile sind die vielen oft ungenutzten Kabel, die in einem großen Knäuel enden. Schön ist was anderes und wir sagen: Bitte sowas nur für Einsteiger-PCs oder PC-Gehäuse ohne Fenster.

Bei den teil- und voll-modularen Gegenstücken habt ihr dahingegen die Möglichkeit nur die Kabel zu verwenden, die ihr tatsächlich braucht. Dadurch erzielt ihr einfach das beste Kabelmanagement. Dies stellt sicher, dass Luft effizient in euer Gehäuse rein- und rausströmen kann, wobei ihr gleichzeitig auch einen ästhetisch ansprechenden PC habt. Insbesondere in Kombination mit einem PC-Gehäuse aus gehärtetem Glas, macht das bei der Optik sehr viel aus.

Nutzung, Einbau, Ausbau

Einige Leute lieben nicht-modulare Modelle dafür, dass man einfach direkt loslegen kann. Alles ist an einem Strang und man muss nicht erst schauen, welche Kabel man braucht und was wo hin soll. Definitiv eine Überlegung wert für euch.

Der Komfort bei nicht modularen Netzteilen ist klar gegeben, da alles direkt einsatzbereit ist. Dennoch sind auch die modularen Kollegen nicht ganz so schlimm, denn die meisten (wenn nicht sogar alle) sind mit Beschriftungen versehen die euch genau zeigen, wo jedes Kabel hin muss. Dazu kommt, dass die Installation eines modularen Netzteils an sich viel einfacher ist, da man nicht mit mehreren ungenutzten Kabeln rumfriemeln muss.

Wenn ihr eine PC-Komponente die Strom braucht austauschen oder entfernen möchtet, könnt ihr bei modularen Lösungen einfach das Kabel entfernen, wenn es nicht mehr benötigt wird. Oder falls ihr es gegen eines mit mehr Konnektoren austauschen müsst. Unterm Strich ist ein Netzteil umso einfacher oder "bequemer" zu nutzen, je modularer es ist - zumindest auf lange Sicht.

Platzverbrauch - Achtung bei modularen Netzteilen

Modulare Netzteile nehmen mehr Platz in eurem Gehäuse ein, als nicht modulare Modelle. In ATX-Gehäusen ist das normalerweise kein großes Problem, in einem Mini-ITX-System kann es aber schnell eng werden. Denn die Anschlüsse am Ende der Kabel verlängern die Länge des Netzteils um etwa 13-19mm. Nicht modulare Netzteile haben dagegen keine Anschlüsse am Netzteilende, da die Kabel einfach aus der Rückseite des Geräts herausragen.

Bedenkt außerdem, dass entfernbare Kabel bei modularen Netzteilen im Allgemeinen proprietäre Anordnungen und Anschlüsse verwenden. Sogar Kabel aus verschiedenen Produktlinien desselben Herstellers sind möglicherweise nicht kompatibel. Daher ist es immer ratsam, die Kabel in einer Box oder einem Beutel aufzubewahren (die meisten Netzteile werden mit Beuteln für Kabel geliefert), um sie für später sicher aufzubewahren.

Energieeffizienz

In der Vergangenheit waren einige Hersteller mit ihren Effizienzbewertungen irreführend, was zum Erscheinen der 80-Plus-Zertifizierung führte. 80 Plus ist ein freiwilliges Programm zur Förderung eines effizienten Energieverbrauchs bei Netzteilen.

Dabei sind alle Netzteiltypen in verschiedenen Wirkungsgraden erhältlich, allerdings haben die meisten nicht-modularen Netzteile häufig nur maximal eine Bronze-Effizienz. Jedoch ist das absolut in Ordnung, lasst euch also davon nicht abschrecken. Falls ihr aber ein effizienteres Netzteil wollt, müsst ihr mehr bezahlen.

Eins vorweg: Ein nicht-modulares Bronze-Netzteil ist unter den gleichen Umständen meistens genauso effizient, wie ein voll-modulares mit gleicher Ausstattung.

Dennoch gibt es teil- und vollmodulare Netzteile, die mit Platin- oder sogar Titanium-Effizienz daher kommen. Sowas sucht man bei nicht-modularen Varianten vergeblich.

In der Vergangenheit gab es übrigens einige Bedenken hinsichtlich der Effizienz modularer Netzteile, aber dies ist lange her und ihr werdet bei einem modernen modularen Netzteil keine Spannungsabfälle feststellen. Falls ihr also Wert auf Energieeffizienz legt, kommt ihr um ein teil- oder vollmodulares Netzteil nicht rum.


Fazit

Wir denken: Wenn ihr es euch letztendlich leisten könnt, solltet ihr immer ein vollständig modulares Netzteil kaufen. Sollte das Budget knapp sein und man braucht wirklich jeden Euro für eine bessere Grafikkarte, dann könnte ein nicht modulares Netzteil dennoch sinnvoll sein. In Gehäusen, in denen der Abstand an der Rückseite des Netzteils sehr gering ist, solltet ihr womöglich auch ein nicht modulares Netzteil verwenden. Die goldene Mitte wird vom teilmodularen Stromspucker abgedeckt und bietet euch häufig die beste Preisleistung.


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